18. Jahrhundert

Heimatortsgemeinschaft Bogarosch

in der Landsmannschaft der Banater Schwaben

letzte Aktualisierung am 20. November 2017

1769

im Mai / Juni werden die Bogaroscher Ansiedlerfamilien in Wien registriert und erreichen einige Wochen später den für sie bestimmten Ort. Johann Thierjung berichtet:

 

An 200 Familien, unter ihnen auch Doppelfamilien mit 900 und etlichen Seelen, 25 bis 30 Knechten, 8 bis 10 Mägden bildeten 1769 die neue Gemeinde Bogarosch bei der Ansiedlung. Dort wurden sie vorläufig untergebracht und ihnen angedeutet sie mögen sich die Ortsverhältnisse ansehen und die Haus Nummer merken mit welcher jedes Haus bezeichnet sei, bis die Colonialcomission eintrifft welches in nächster Zeit geschehen wird, das Eintreffen der Comission wird mittelst Trommelschlag avisiert. Als die Commision erschienen, mußten die Colonisten sich inmitten des Ortes, mit der ganzen Familie und all Papieren welche sie in Händen hatten, sammeln. Als sie dort aufgestellt waren, wurde jeder von der Commission befragt wo er am liebsten wohnen wollte. Auf seine Erklärung hin wurde ihm ein Gewährschein ausgestellt das Haus und Hof sein Eigenthum sei.

 

Bei dieser Gelegenheit hatte sich auch eine kleine Episode in Bogarosch zugetragen, nämlich: als die Einwohner in Mitte des Ortes aufgestellt in Reih und Glied waren, ihre Papiere geprüft, die nötigen Erörterungen getroffen ihre Vermögens-verhälnisse festge- stellt und die in Wien von ihnen deponierten Gelder in empfang genommen, konnte ein Weib, dessen Familie nachher auf Haus Nr. 158 ansässig wurde, die Zeit nicht erwarten bis die Commision der Reihe nach bei ihr ankam, sie tritt aus Reih und Glied und forderte mehrmals die Commision auf in welche Gasse sie kommen werde. Verdroßen über das oftmalige Fragen der Gasse welche bis dahin doch keinen Namen hatte, somit nur von Haus Numro die Rede sein kann, gab der Hohe Kommisär är-gerlich zur Antwort: Scheiss Gasse … Die Gasse in welche die Fragestellerin auf Nr. 158 kam trägt den Namen Scheisgasse bis auf den heutigen Tag.

 

J. Thierjung berichtet weiter:

 

...

Sie konnten ihr Feld nicht gleich in Besitz nehmen, vorher mußten sie sich erst Stallungen für das Klein Vieh bauen und die Hausgärten für die so nothwendigen Gemüse herrichten. Die erste Aussaat auf einem Teil der Felder wurde im Oktober 1769, noch bevor diese parzelliert waren, der Erde anvertraut, ergaben 1770 sowie 1772 Mißernten, 1771 aber ist das Getreide gänzlich fehlgeschlagen ...

1770

Gründung der Pfarrei, bis dahin war Bogarosch Filiale von Csadat.

Auf dem Hausplatz Nr. 201 wurde ein Schulhaus erbaut. In diesem Jahr wurden 94 Sterbefälle in Bogarosch registriert, im Vergleich mit den Jahren davor und danach erheblich mehr. (1770 - 53; 1772-53)

1771

Die Ursache für die große Sterblichkeit im Jahre 1771 ... sind wahrscheinlich die nicht trockenen, neu erbauten Häuser, welche meistens offen stehen zum austrocknen, die Zugluft durch Fenster und Türen wirkte schädlich auf die Gesundheit bei Menschen und Tier.

bis 1774

waren die Colonisten von den 24 Joch Ackerfeld von Zehnten und Robot frei und es wurden keine Steuer abgefordert

1775

wurde Steuer, Zehnten und Roboten abgefordert, den Colonisten die aber im Rückstand geblieben waren wurde mit Exekution gedroht welche die Gemeinde zu einem Eingeben an die Landesadministration Temesvar veranlasste. Daraufhin wurde die Schuld von 30 Insassen welche ihre Häuser verlassen oder davon entlassen wurden, mit 429fl und 47x nachgelassen, auch wurden neue Schulden mit 559fl 30x nachgelassen, somit zusammen 984fl 17x Nachlaß (fl = Gulden, x = Kreuzer)

1776

waren die Insassen von 40 Hausnummern bereits verstorben, durchgegangen oder abgewirtschaftet

1786

Die Gemeinde erhielt den ersten Notär, Michael Krizsanics (Krischanitsch), welcher jedoch schon 1788 einrücken und in den Krieg ziehen mußte und erst dann wieder in sein Amt nach Bogarosch kam als der Frieden geschlossen war, nach ihm diente sein Sohn Franz bis 1874 als Notär in Bogarosch .

1796

waren infolge der großen Trockenheit und Hitze sämtliche Feldfrüchte missraten, nur die Hilfe der Regierung rettete die Bewohner vor dem Hungertode.