Die Schule

Schule, Lehrer und Schüler

Ja, Grawatz is so glicklich glee,

Doch will ich"s net verschreije,

Wer alli Nochberschdärfer gseh,

Der kann des aa bezeije.

...

Mer denkt an alles net nar drum

Um Grawatz hochzuheewe.

Mit solchi Nochbre umundum,

Do wars so scheen zu leewe.

 

Mit diesen Strophen beginnt und beendet der Grabatzer Landsmann Nikolaus Zwergal sein Gedicht "Die Nochberschaft". Zwischendrin wird in einigen Gemeinden in der "Nochberschaft" Halt gemacht, jedem einzelnen Ort ist im weiteren Verlauf des Gedichtes ein Strophe gewidmet um das hervorzuheben, was diesen Gemeinden eigen ist, was sie so einzigartig und liebenswert macht. Eine Homage an die "Nochberschaft" kann kaum besser, treffender und gefühlvoller formuliert werden. Auch Bogarosch ist bedacht und zwar mit folgender Strophe:

 

Bogarisch hat in frih´rer Zeit,

Des därf mer nie vergesse,

Studierte un berihmti Leit,

Uff die mer stolz sein messe.

 

Über die vorgestellten herausragenden Persönlichkeiten kann nicht berichtet werden, ohne die Leistungen der Bogaroscher Schule kurz anzuzsprechen.

 

Noch im Ansiedlungsjahr wurden die Kolonisten angehalten ein Schulhaus einzurichten. Der erste Bogaroscher "diplomierte" Lehrer war Cajetan Muttersgleich welcher 1774 in Bogarosch unterrichtete, außer diesen unterrichteten besonders in den ersten Jahren, die sogenannten "Schulmeister", meist Handwerker oder Bauern, die die Kunst des Lesens und Schreibens verstanden und die Kleinen darin unterrichteten. Solch ein Schulmeister war beispielsweise Andreas Abendschein.

 

Große Verdienste im Schulwesen hat sich die Familie Ferch erworben, Mathias Ferch aus Gutenbrunn wurde im Jahre 1825 zum Lehrer in Bogarosch gewählt, 1832 war er Oberlehrer, er wirkte 42 Jahre als Pädagoge, 36 davon in Bogarosch. Oberlehrer Ferch legte Wert darauf, dass aus "seiner" Schule eine überdurchschnittlich hohe Zahl an "Studierten" hervorging, 1861 ging er in Pension, aber schon im darauf folgenden Jahr, 1862, starb er. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Josef Ferch. Aus dieser Familie gingen weiterhin zahlreiche Pädagogen, Geistliche, Künstler und andere Studierte hervor.

 

Johann Thierjung berichtet: Unsere Schulen wurden von 1862 an durch Oberlehrer Josef Ferch so vortreflich geleitet das im Torontaler Komitat keine Gemeinde so geschulte Rekruten zum Militär brachte als Bogarosch wo welche die meisten Scharschen bekleiden bis 1898 Ferch Josef in Pension ging.

 

Im Jahre 1900, am 15 August versammelten sich die "Studierten" Söhne der Gemeinde in ihrem Heimatdorf, zur Erinnerung wurde die Gedenktafel am Schulhaus enthüllt. Im Jahre 1935 erwähnt Josef Hubert 91 Studierte in der Ortsmonographie: 9 Geistliche, 7 Professoren, 24 Lehrer, 23 Ärzte, 7 Apotheker, 10 Ingenieure, 9 Juristen und 2 Tierärzte.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde ein Internat in Bogarosch eingerichtet um den deutschen Kindern der umliegenden Dörfern den Schulunterricht in der Muttersprache zu ermöglichen. Da unter diesen Umständen das Schulgebäude sich als zu klein erwies wich man auf andere (zum Teil private) Gebäude aus. Um dem Platzmangel zu beseitgen beschloss man ein neues Schulgebäude zu errichten. Diese wurde in den Jahren 1970 - 1974 auf dem Standort des Kindergartengeländes fertiggestellt.

 

Der Kampf um den Unterricht in der Muttersprache war immer aktuell. Wehrte man sich erst gegen ungarische Assimilierungstendenzen so versuchte man sich nach dem zweiten Weltkrieg mit dem rumänischen Sozialismus zu arrangieren. Großes geleistet haben auf diesem Gebiet auch die späteren Lehrer. Stellvertretend seien hier erwähnt: Andreas Kovacs, Katharina Frank, die Lehrerfamilien Hammes, Frauenhoffer und Huber sowie in den letzten Jahren die Lehrerinen Gabriele Schneider, Hedi Entner, Gertrude Kratochwill und Anna Riegelmayer.

Nicht unerwähnt sollen hier die rumänischen Lehrer bleiben, wir, die letzten der Erlebnisgeneration behalten, unter anderen, die Professoren Jantoveanu und Roman in angenehmer Erinnerung.

Schulkassen in den 1930er Jahren mit Lehrer Josef Hubert

Die deutschen Klassen I - IV

1979

Schulklasse in den 1950er Jahren mit Lehrerin Anna Hammes

Die V. Klasse 1983 mit Klassenlehrer Prof. Jantoveanu

Persönlichkeiten

Der Herr Oberlehrer

 

Nicht nur von seinen Schülern, sondern weit und breit von allen, die ihn kannten, wurde er so genannt. Und das war er auch. Ein echter Herr im guten und schönen Sinne des Wortes. Eine stattliche Erscheinung, schönes Benehmen, streng doch gerecht, gebildet gastfreundlich und im Verkehr mit seinen Schülern und Volksgenossen leutselig und angenehm.

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Mit seiner ganz modernen Lehrmethode erzielte unser guter Oberlehrer außerdem das seine Schule weit und breit als Musterschule galt, auch noch das, das er eine ungeahnte Anzahl lernbegieriger Jünger schuf. Wenn er dann, mit den Eltern über den Fortschritt ihrer Kinder verhandelnd , diesen sagte : "Sie müssen ihren Sohn studieren lassen" oder bei minder wohlhabenden sich äußerte: "Wenn es nur möglich ist lassen Sie ihr Kind studieren" so war das eine Gewißheit, das der Sohn für Kopfarbeit, fürs Weiterlernen ohne Gebrechen tauglich war. Dieser Aneiferung war es zu verdanken das aus unserem kleinen Heimatdorf mit damals kaum 3000 Einwohnern mehr als 260 diplomierte Herrische hervorgingen.

 

Ein gediegenes Wissen und Können in vielen Wissenschaften und Künsten halfen auch mit - immer den Kern der Sache treffend - einen ungewöhnlichen Pädagogenerfolg zu erzielen. Wer seine Zeichnungen und Ölgemälde sah, glaube mit einem Künstler zu tun haben; wer sein künstlerisches Klavier- und Orgelspiel hörte, seinem prächtigen Gesang lauschte, meinte, er wäre der vollendete Tonkünstler. Seine Unterlehrer, die ihm beim Organistendienste behilflich waren, wurden zu regelrechten Organisten erzogen. Sie bekamen von ihm die Orgelbegleitungen der Kirchenlieder in mustergültigem Orgelsatz und hatten nach tüchtiger Ausbildung bei Konkurrenzen den anderen Bewerbern gegenüber ein leichtes Spiel. Es war eben eine gute Empfehlung seine Fortbildung beim Herrn Oberlehrer Ferch genossen zu haben.

 

Die Kirchenmusik in Bogarosch war eine berühmte, nicht nur auf der Heide, sondern auch über sie hinaus, dank der künstlerischen Bildung und Begabung dieses Gemeindelehrmeisters. Wenn an großen Festtagen - so am Kirchenfeste am 15. August - außer Orgel und Gesang auch noch die Blech-Musikkapelle des Dorfes anstimmte, so wurde vor der „großen Messe" in einem Schulzimmer erst eine sehr strenge Probe gehalten und erst, wenn die Kapelle an Probesende einen lustigen Marsch anstimmte, dann wussten wir draußen lauschenden Kleinen, dass Alles in Ordnung war. Im Hochamte ertönten dann die einstudierten Lieder mit Orgel- und Orchesterbegleitung von einer anmutigen Schar schwäbischer Sängermädel gesungen in feierlichster Weise. Der bescheidene Chroniker dieser Zeilen ist seit dieser Zeit schon viel in der Welt herumgeflogen, doch kann er wahrhaftig sagen, dass er etwas feierlicheres als ein solches Hochamt in der kleinen Dorfkirche, oder bei der Frohnleichnamsprozession oder österlichen Auferstehung nirgends anderswo erlebt hat. Es zittern die Gefühlssaiten seiner Seele auch heute noch bei diesen feierlichsten Erinnerungen, während die rasselnde Schreibmaschine diese Zeilen aufs Papier bringt. Selbst feine Musikkenner haben diese Andachten mit wahrem Hochgenusse und Respekt bewundert.

 

Die auch im Druck erschienene Klavierkomposition "Erinnerungen an Graz", gewidmet den Schwestern Irma v. Fürst und Anna v. Humayer, geb. von Kempski, bestätigt die musikalisch schöpferische Kraft dieses großen Kantors. Es ist mir auch heute noch in bester Erinnerung, wie ich an Werktagen in der stillen Messe manchmal ganz neue, schöne, noch nie gehörte Kirchenlieder in formvollendeter, künstlerischer Weise, von seinem wundervollen Organe vortragen hörte. Vor ihm der Text des Liederbuches, die Melodie, völlig neu, im Augenblick des Vortrages ersonnen, mit schönem Orgelsatz umsponnen, alles auf einmal erdacht, sogleich ausgeführt und nach dem Verhallen in der kleinen Dorfkirche allsogleich dem Vergessen preisgegeben… Das waren nicht nur Improvisationen ersten Ranges, sondern auch das andächtigste Gebet einer glaubenden Seele, welches dem Allmächtigsten, dem Geber solcher Gaben, nur dargebracht werden kann… Sie wurden nicht gesammelt, nicht abgeschrieben, es wurden statt ihrer immer neue erschaffen.

 

Der Schulgesang in seiner Klasse war dem entsprechend auf hoher Stufe. Alle Schüler mussten singen und wurde keiner wegen seines schlechten Gehörs - wie es mancherorts üblich war - ausgeschaltet. Ein Harmonium, auf welchem manchmal einer seiner kleinen Musikschüler den Kinderchor begleiten musste, verhalf zur musikalischen Bildung. Die Sängermädchen waren indes aus der Reihe der aus der Schule schon ausgebliebenen Schülerinnen mit glockenreinen Stimmen erwählt und leisteten vorzügliches.

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Bei solchen Fähigkeiten ist es nicht zu wundern das Josef Ferch öfter Gelegenheit gehabt hätte auch höhere Stellen zu begleiten. Er mußte bei den damals eingeführten Lehrerfortbildungsanstalten Vorträge halten. Auch sollte er Schulinspektor dann Direktor der Hatzfelder Bürgerschule werden. Aus verschiedenen, aber stichhaltigen Gründen lehnte er diese Auszeichnungen dankend ab und blieb bis zu seiner Pensionierung im geliebten und durch sein Wirken hochgehobenen Geburtsort Bogarosch.

 

Das er seinerzeit den Bogaroscher Männergesangsverein ins Leben rief, sich in der Bienenzucht Verdienste und Auszeichnungen erwarb, unter anderem durch die Herstellung von Kunstwaben, ein passionierter Photograph war und sich als leidenschaftlicher Jäger oft der freien Natur freute soll nur nebenbei erwähnt werden.

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Im Jahre 1897 schied er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Lehreramt, es folgten Jahre des unruhigen Wanderns in Stadt und Dorf, nirgends fand er Ruhe und Rast. Die Heimatliebe und das Heimweh nach seinem Dorf welchem er seinen Geist und sein Leben geopfert hatte plagten ihn beständig bis zu seinem am frühen Morgen des 4 April 1902 in Perjamosch erfolgten Tode. Er wurde nur 62 Jahre alt.

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Josef Ferch - Pädagoge und Komponist -

 

Geboren am 31. Januar 1840 als Sohn des Oberlehrers Mathias Ferch und seiner Ehefrau Josefa geb.Trautner in Bogarosch, übernahm 1862 nach dem Tod seines Vaters die Stelle des Oberlehrers in seinem Heimatdorf. Im Jahre 1867, am 14 Februar, heiratete er die Tochter des Lowriner Oberlehrers Josef Eisenkolb, Crescentia Wilhelmine.

 

Friedrich Ferch porträrtiert den Bogaroscher Oberlehrer 1924 im "Heiderösleinkranz", der Festschrift anläßlich der 150 Jahresfeier der Ortsgründung.

Mathias Ferch - Domher und päpstlicher Prälat - * 12. August 1869 in Bogarosch, † 09 Februar 1938 in Budapest.

Am 6. Juli 1893 in Temeswar von Bischof D e s s e w s s y zum Priester geweiht. Als 24- jähriger Kaplan in nach Detta, von wo er jedoch schon im nächsten Jahr als Studienpräfekt in das hiesige Seminar abberufen wurde. Von 1895 bis 1900 lehrte er am Seminar Bibelkunde, deutsche Sprache und Kirchengeschichte und ein Jahr lang (1895-96) auch Katechetik, von 1900-1926 unterrichtete ­er Kirchengeschichte und Kirchenrecht, sowie -allerdings nur im Jahre 1902 - Soziologie und Kunstgeschichte. Das Lehramt versah er nach vier Jahren Unterbrechung wieder von 1930-1935, als er christliche Moral und praktische Seelsorge lehrte.

Johann Szimits - Mundartdichter - * 5 Juli 1852 in Bogarosch, † 26 März 1910 in Mödling.

 

Mit seiner Verehelichung am 17 Februar 1879 verbindet sich die erste Erinnerung ans Szimits´ dichterisches Schaffen: seiner Braut schrieb er ein Gedicht - sein erstes Gedicht. Sein zweites Gedicht folgte zur Geburt des ersten Kindes, womit sein fruchtbares literarisches Schaffen den Anfang nahm.

Ägydius Haupt - Mundartdichter - * 23. August 1861 in Bogarosch, † 14. August 1930 in Jahrmarkt.

Nach dem Besuch der Volksschule in Bogarosch Lehre als Kurschmied, 1882 bis 1884 Studium am Wiener Tierarzneiinstitut, danach Veterinär im Banat in den Ortschaften Billed, Sekeschut, Baratzhausen und von 1897 bis 1928 in Sackelhausen als Veterinär tätig. Nach seiner Pensionierung in Jahrmarkt wohnhaft, wo er bis zu seinem Tode schriftstellerisch tätig war.

Andreas Kovacs - Pädagoge , Lokalforscher und Dorfchronist - * 28 September 1889 in Pesak, † 30 Oktober 1980 in Bogarosch.

 

Erhielt am 29 Juni 1909 das Lehrerbefähigungsdiplom für deutsche und madjarische Volksschulen. Lehrer Kovacs arbeitete nicht nur für die Schule, sondern für das ganze Dorf. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde er beauftragt die Allgemeinschule Bogarosch, deutsche Abteilung sowie eine Schülerheim für die auswärtigen Schüler zu eröffnen (Bogaroscher Internat). Bis 1954 war er Schuldirektor, 1954 ging er nach 46 Dienstjahren in den wohlverdienten Ruhestand.

Nelu Brâdean-Ebinger - Linguist, Hochschullehrer, Dichter - * 22 Juli 1952 in Arad

 

Aufgewachsen in Bogarosch, dort besuchte er die achtjährige Grundschule mit deutscher Unterrichtssprache, 1967 Wechsel ans Hatzfelder Lyzeum, wo er 1971 das Abiturdiplom erwarb. Nach dem Abitur Studium der Germanistik und Finnougristik an der Universität Bukarest, 1972 besuchte er die Sommeruniversität in der finnischen Stadt Lappeenranta in Südkarelien. Mit einem internationalen Stipendium kam er noch im selben Jahr nach Budapest ins renommierte Eötvös-Kolleg. 1978 machte er sein Staatsexamen und promovierte zum Dr. univ. (doctor universitatis) mit einer Arbeit über die nordisch-lappischen Sprachbeziehungen. Nach einer mehrjährigen Aspirantur am Institut für Sprachwissenschaft der Ungarischen Akademie der Wissenschaften wurde ihm 1985 der wissenschaftliche Grad „Kandidat der Sprachwissenschaft" (candidatus scientiarum, Abk. CSc.) verliehen, der dem akademischen Grad eines PhD (philosophiae doctor, Doktor der Philosophie) entspricht. Seit 1992 lehrt Nelu Bradean-Ebinger auch an der Universität Miskolc, wo er den Lehrstuhl für germanistische Linguistik gründete und bis 1998 auch leitete.

Herzlichen Dank an die HOG Grabatz für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe der Strophen aus dem Gedicht "Die Nochberschaft" http://hog-grabatz.de/web/zum-lesen.php