Mathias Ferch

Heimatortsgemeinschaft Bogarosch

in der Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V.

letzte Aktualisierung am 06. Dezember 2017

Mathias Ferch

Domher und päpstlicher Prälat

1880 - 1939

Und wieder verkündeten die Glocken unserer Stadt die Trauerbotschaft von dem Ableben eines unserer besten Seelsorger. Ihre Klänge galten dem Pfarrer des ersten Bezirkes Abtdomherrn Matthias Ferch, der gestern nachmittags mit dem heiligen Sakrament der letzten Oelnng versehen, im Sanatorium ­der Krankenschwestern vom Heiligen Franz von Assissi in Ofen gestorben ist.

 

Banater Deutsche Zeitung, v. Mittwoch, dem 9. Feber 1938 - S. 4.

Am 12. August 1869 in Bulgarus-Bogarosch, wo sein Vater Kaufmann und Postmeister war, geboren, war es schon als Kind sein sehnlichster Wunsch, Priester zu werden. Trotzdem er noch sieben Geschwister hatte, konnte er die Mittelschule in Arad besuchen und nachdem er hier die Reifeprüfung bestanden hatte, ließ er sich an der theologischen Fakultät der Universität in Ofenpest einschreiben. 1893 legte er das Rigorosum aus Bibelstudien, orientalischen Sprachen, Kirchengeschichte und Kirchenrecht ab, am 6. Juli des desselben Jahres wurde er in Timisoara-Temeswar von Bischof D e s s e w s s y zum Priester geweiht. Als 24- jähriger ging er als Kaplan nach Detta, von wo er jedoch schon im nächsten Jahr als Studienpräfekt in das hiesige Seminar abberufen wurde. Von 1895 bis 1900 lehrte er am Seminar Bibelkunde, deutsche Sprache und Kirchengeschichte und ein Jahr lang (1895-96) auch Katechetik, von 1900-1926 unterrichtete ­er Kirchen-geschichte und Kirchenrecht, sowie -allerdings nur im Jahre 1902 - Soziologie und Kunstgeschichte. Das Lehramt versah er nach vier Jahren Unterbrechung wieder von 1930-1935, als er christliche Moral und praktische Seelsorge lehrte. Insgesamt stand er 72 Semester am Katheder, wobei zwei Drittel unserer Priester zu seinen Schülern zählte.

 

Die Verdienste, die Matthias Ferch sich schon in den ersten Jahren seiner Professorentättgkeit erwarb, das umfassende Wissen, der nie erlahmende Pflichteifer und das vorbildlich priesterliche Wirken trugen ihm außerdem auch noch verschiedene andere bürdenreiche Ämter ein. Im Jahre I960 wurde er zum Mitglied der Prüfungskommission für die Theologieprofessoren an den Mittelschulen ernannt. 1902 wur wurde ­er Diözesanzensor, 1905 Mitglied der Pfarrprüfungskommission, 1908 Senior der theologischen Fakultät. Von 1904 an vertrat er die Armen beim Kirchengericht ­ und war Mitglied der Kommission für die Reform des Kirchengesanges, ab 1910 Anwalt des Diözesangerichtes und Präses der Kantorbefähigungsprüfung, welche Stelle er sowohl in der staatlichen, wie auch in der konfessionellen Lehrerbildungsanstalt bekleidete. Zum Konsistorialrat in 1908 befördert, wurde er in 1910 auch Pfarrer der Inneren ­Stadt. Der Festungspfarre stand er 28 Jahre lang, bis zu seinem jetzt erfolgten Tode vor. Im Jahre 1910 erhielt er auch die Betrauung zum Direkor der Volksschule im Innerstädter Kloster, in dem er zwei Jahre später auch Direktor der Bürgerschule und deren Katechet wurde. Wiederholt als bischöflicher Vertreter an den Bürgerschulen und Realgymnasien tätig, zog er 1913 als gewählter Vertreter der Katholiken in den Stadtrat, dem er bis 1919 angehörte ­und in dem er von 1925 ab als Mitglied von Rechts wegen eine segensreiche Tätigkeit entfaltete. Im Jahre 1921 wurde er vom Ministerium zum Militärgeistlichen ernannt. Die Würde des Ehrendomherrn war ihm 1916 verliehen worden. 1920 wurde er geistlicher Rat. 1923 Titularabt der Abtei Sankt Petri de Sagyo, 1924 Dechant des Zentraldistriktes, 1925 Domherr und nachdem er 1931 Mitglied des Diözesanschulrates, 1932 aber Präses des Disziplinarrates der konfes-sionellen Lehrerschaft und der Kontrollkommission des Lehrerpensionsfonds geworden war, wurde er im verflossenen Jahr mit dem Prälatentitel bekleidet. Prälatdomherr Matthias Ferch trat in zahlrei zahlreichen, ­mit meisterhafter Feder geschriebenen Zeitungsaufsätzen ­für seine Ueberzeugung ein. Zusammen mit Theologieprofessor Dr. Alexander Kovacs übersetzte er die Kirchengeschichte von Dr. Hesele und Dr. Knöpfle in die ungarische Sprache, womit er den ungarischen Theologen ein Lehrbuch schenkte, das lange Jahre im Gebrauch war.

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Jede Minute seines Lebens stand im Zeichen der Arbeit. Unermüdlich, unentwegt verbreitete er die christliche Lehre. Er lehrte die heranwachsende Priestergeneration, verkündete den Gläubigen die Worte Christi, war ein Streiter im Heere des Lichtes, der als erster in die Bresche sprang und die gute Sache zum Sieg führte. Mit tiefem Schmerz vernahm man deshalb vor Jahren die Kunde von seiner Erkrankung und tiefste Trauer erweckt jetzt die Kunde von seinem erfolgtem Ableben. Eine Kur in Abbazien, die er im Winter des vergangenen Jahres mitmachte, mehrere Wochen Aufenthalt im schönen Steierdorf, alle ärztliche Kunst vermochten dem Kranken nicht mehr die Gesundheit zurückzugeben.

 

In letzter Zeit befand er sich bei den Krankenschwestern des Heiligen Franz von Assisi in Ofenpest in Pflege, doch auch sie konnten seine letzten Tage nur mehr erleichtern, nicht aber verlängern. Die letzten drei Wochen zeigte sich eine leichte Besserung. Der Patient war fieberfrei. Gestern vormittags traf bei der Aula die Botschaft ein, daß das Fieber wieder auf 38 Grad gestiegen sei, um 6 Uhr nachmittags Übermittelte das Telephon die schmerzliche Kunde von dem Ableben. Prälatdomherr Matthias Ferch hatte das heil. Sakrament der letzten Oelung empfangen und erwartete gefaßt den Tod, den ein Blutsturz hervorrief. Sein letzter Wunsch war möge ihn still in Ofenpest zur letzten Ruhe bestatten.

 

An der Bahre trauern die Brüder Josef Ferch, Kaufmann in Weidenthal und Fritz Ferch, Leiter der Werkgemeinschaft Schwäbischer Künstler, die Schwestern Luise vereh. Laub, Hotschak (Jugoslawien), ­Fanny Ferch, pensionierte Lehrerin in Jimbolia-Hatzfeld, Gisela vereh. Brosnek, Lehrerin in Rakoschpalota, der Landesorganisator der KAF, Rudolf Ferch und seine Brüder, die Kunstmaler Andreas und Franz Ferch als Neffen, Notär im Ruhestand Rudolf Ferch. Perjamosch, Dr. Julius Ferch, Bezirksrichter in JimboliaHatzfeld, Dr. Josef ­F e r ch, Rechtsanwalt und Grundbesitzer in Deta, Frau Dr. Johann Poth in Arad als Geschwisterkinder, die Familien Rudolf Ferch, Eisengroßhändler, ­Maximilian Ferch Kommerzienrat, Adalbert Ferch, Zensor der österreichischen Nationalbank, Dr. Werner Ferch, in Graz, die Familie Matthias Ferch in Ungarn, der Schwager Adam Schneider, in Perjamosch, der Neffe Julius Schneider, Apotheker in Rekasch, Frau Baumeister Andreas Martin, Timisoara-Temeswar, und Frau Ladislaus Sathmari, Lehrerin in Weidenthal, Frau Charlotte Ferch. Lehrerin in Perjamosch, als Nichten, die Neffen Friedrich Ferch, Beamter des Banater Bankvereins Arad und Karl Ferch, Oberbuchhalter der Deckerschen Hutfabrik in Jimbolia-Hatzfeld, Lehrer ­Franz Ferch, Pribitschewitschewo (Jugoslawien). die große Familie Ferch in Guttenbrunn und andere.

 

Bestattung in der Domgruft - Die irdische Hülle des unvergeßlichen Toten, der sich ein bleibendes Gedenken in den Herzen sicherte, wird in der D o m g r u f t bestattet. Der Sarg trifft morgen, Mittwoch abends, um 9 Uhr aus Ofenpest hier ein. Der Dahingeschiedene wird in der Domkirche aufgebahrt, wo Donnerstag vormittags 10 Uhr die Trauerzeremonie stattfindet. (Vgl. Banater Deutsche Zeitung, v. Mittwoch, dem 9. Feber 1938 - S. 4.)

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Eine charakteristische Äußerung über die Toleranz in "seiner" Stadt möge hier zum Abschluß folgen: " ... Weit über 40 Jahre bin ich hier, seit gleicher Zeit mit Bischof Dr Augustin Pacha tätig; beide sind wir die ältesten katholischen Priester, die ununterbrochen in dieser Stadt arbeiten, und ich gestehe, als ich aus Arad hierherkam, fühlte ich mich nicht recht wohl; dort schien das Leben abwechslungsreicher. Bald aber konnte ich das Leben, die Leute und die wahren Werte hier schätzen lernen. Originelle Leute, waschechte hiesige Bürger! Alles hielt zusammen: Katholiken, Nichtkatholiken, Juden - Bürger verschiedenen Ursprungs und Herkunft, verschiedene Nationalitäten und Religionen, sie standen wie ein Mann, wenn von dieser Stadt die Rede war. Und ich gestehe: ohne diese Stadt kann ich mir das Leben nicht vorstellen! Mögen alle Bewohner dieser Stadt, nach dem traditionellen Muster alle Unterschiede beiseite lassend, sich zusammenschließen; für das Wohl der Gemeinschaft, für das Aufblühen dieser Stadt, in welcher uns die göttliche Vorsehung unser Tätigkeitsfeld einräumte... Jeder, der einmal in die Atmosphäre unseres ,Alt-Temesvars' gelangte, war davon immer bezaubert ... " (Vgl. Bela Schiff: Unser "Alt Temesvar". Der erste Teil. Timisoara: Sonntagsblatt 1937, S. VII-VIII.)