Übermittler
von Zeitgeist und Lebensgefühl
Die vorhergehenden
Seiten schildern die Entwicklung und den
Niedergang des deutschen Bogarosch. Generationen
unserer Vorfahren haben den Ort aufgebaut, sie
alle waren Kinder ihrer Zeit. Während in den
genealogischen Publikationen die Namen und
Lebensdaten unserer Altvorderen festgehalten sind,
stellt sich demjenigen, der seine Familie
erforscht, die Frage: wie lebte meine Familie in
den vergangenen 250 Jahren in Bogarosch, wie war
ihr Lebensgefühl, welches waren ihre Werte, wie
sah ihre Welt aus?
Wir sind alle Kinder unserer Zeit, unser Leben
bettet sich ein in die "große"
Geschichtsschreibung. Der Zugang zur Geschichte
hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend
verändert, während früher Archive und Bibliotheken
die einzigen Informationsquellen waren, bietet das
Internet heute einen unerschöpflichen Fundus an
Möglichkeiten. So bleibt die Geschichtsschreibung
nicht starr, sondern ist lebendig und im Fluss -
sie wird beeinflusst von dem, was wir sehen, hören
und fühlen. Die Herausforderung liegt darin, diese
Vielfalt zu dokumentieren und dabei das
Wesentliche herauszufiltern. Denn letztlich sind
es die kleinen Momente und großen Geschichten des
täglichen Lebens, die den Zeitgeist prägen und uns
helfen, eine Verbindung zur Vergangenheit herzustellen, während wir
gleichzeitig die Gegenwart erleben.
Zeitungen, im Banat erschienen die ersten
bereits in den 1770er Jahren, sind nicht nur
Informationsquellen, sondern sie widerspiegeln
auch das Lebensgefühl der Zeit, in der sie
erschienen, in all seinen Facetten. Wir haben
auf den folgenden Seiten Zeitungsberichte
aufbereitet und Ihnen zur Verfügung gestellt um
einen Einblick in den Zeitgeist, in die kleinen
und großen Ereignisse, Freuden und Sorgen
unserer Vorfahren. Lassen Sie sich entführen in
längst vergangene Zeiten, lernen sie Menschen
kennen, "große" und "kleine" Leute, Erfolgreiche
und weniger Erfolgreiche.
Sollte der Tobak
stellenweise zu stark sein, bedenken Sie, dass
er im Kontext der Zeit, aus der die Geschichte
stammt, verstanden werden sollte und
keineswegs an heutigen Maßstäben gemessen
werden darf. Es soll nichts verherrlicht,
verurteilt oder sonstwie anders beurteilt
werden, wir wollen nur berichten und
unterhalten.
Die entsprechenden Beiträge sind nach Jahren
sortiert. Bogarosch, das inmitten der Banater
Heide liegt, war freilich nicht isoliert,
sondern im stetigen wirtschaftlichen,
kulturellen und sozialen Austausch mit der
Umgebung, den umliegenden Ortschaften. Aus
diesem Grunde sind hier auch Berichte
wiedergegeben, die auf den ersten Blick nichts
mit unserer Gemeinde zu tun hatten, die aber
unseren Vorfahren sehr wohl bekannt sein müßen,
sei es aus Zeitungen oder durch mündliche
Vermittlung. Ergänzt wird dies mit verschiedenen
Listen, Fotos sowohl Geschichten, Gedichten und
Anekdoten."
Die Seite wird laufend ergänzt, falls jemand von
Euch das Projekt mit eigenen Ideen und Beiträgen
bereichern möchte, würde ich mich sehr darüber
freuen.
Mithilfe der
verlinkten Inhaltsverzeichnisse auf den
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Die dritte Nummer der "Temeswarer
Nachrichten"
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1970
06 26 - Neuer Weg - Die erste
Zeitung des Banats - die älteste des
Landes I -„Temeswarer
Nachrichten“ 1771 -
Wirtschaftlicher, administrativer
und kultureller Zeitspiegel - Matthäus
Joseph Heimerl - Herausgeber,
Redakteur und Drucker -
Von Franz Liebhard -
Der erste
Buchdrucker, dem es im Banat des 18.
Jahrhunderts gelungen ist, eine
eigene Werkstatt zu errichten, war
Matthäus Joseph Heimerl. Vor ihm
hatte es schon Versuche nach dieser
Richtung gegeben. 1766 bot sich ein
Ofner Buchdruckergehilfe namens
Anton Kolb an, in Temesvár eine
Druckerei einzurichten, wurde aber
abgewiesen, obwohl er auch „des
Kupfer stich Drücken kundig“ war.
Zur selben Zeit bewarb sich auch ein
Drucker aus Hermannstadt um die
Bewilligung, doch der Magistrat
verwarf sein Gesuch, und zwar mit
der Begründung, er habe „unter
Lutheranern und Calvinern in
Siebenbürgen serviert“. Man könne
nicht wissen, „was er im Schilde
führe“.
|
Druckerei ,,im alten
Seidenhaus" - Drei Jahre später
ist es dem aus Preussisch-Schlesien stammenden
Matthäus Joseph Heimerl gelungen, in einem
kameralischen Gebäude der Vorstadt Fabrik („im
alten Seidenhaus“) eine Buchdruckerei in
Betrieb zu setzen. Das Haus nannte man später
„alte aerarische Buchdruckerey“. Er wurde
wahrscheinlich vom Administrationspräsidenten
Graf von Clary gefördert, der sich während
seiner Amtszeit auch um die bessere
Einrichtung des Theaters im Gebäude des
raizischen Magistrates mit Erfolg annahm.
Kaiser Josephs
Banater Reise im Jahre 1768 scheint die Sache
der Druckerei beschleunigt zu haben, denn auf
Grund seiner Wahrnehmungen erliess die
Kaiserin an die Landesadministration
Instruktionen, in denen auch von der
Einrichtung einer Druckerei gesprochen wurde.
Er hatte festgestellt. dass die
Griechisch-Orthodoxen ihre kirchlichen Bücher
(Heilige Schrift, Psalter usw.) von den Russen
bezogen. Einer in Temesvár aufzustellenden
Buchdruckerei sollte zur Aufgabe gestellt
werden, diesen Bedarf an griechisch-orthbdoxen
kirchlichen Büchern für Rumänen und Serben zu
decken. Da sich aber ein Wiener Drucker dafür
ein eigenes Privileg erwirkte, kam die
Temesvarer Druckerei Heimerls, die ihren
Betrieb schon 1769 aufnahm, als Maria Theresia
die Landesadministration anwies . .. „ einen
anständigen Offerenten ausfindig zu machen
trachten solle, der auf eigene Gefahr und
Kosten, ohne eigenen Beitritt des Aerarii eine
Druckerey in der theutschen sowohl als der
wallachischen und raizischen sprache in
Temesvár ehebaldigst herzustellen imstand sein
möge“.
Am
18. April 1771 erschienen die
„Temeswarer Nachrichten" - Im
selben Jahre, als er „Privilegierter
Administrationsdrucker“ wurde, gab Heimerl
in Temesvár ein Wochenblatt heraus, von dem
man längste Zeit an nahm, dass es den Titel
„Intelligenzblatt“ führte. Der Historiker
Pesti Frigyes, der in einem 1877
veröffentlichten Aufsatz „Das kulturelle
Leben des Banats im 18. Jahrhundert“ diese
Behauptung aufstellte. wollte sogar den
Preis (einen halben Groschen) wissen und
dass der Inhalt sich in der Hauptsache auf
Ankündigungen beschränkte. Diese Annahmen
hielten sich bis in die neueste Zeit. Vor
einigen Jahren ist es dann dem Wiener Josef
Wüst im Laufe seiner Nachforschungen für
seine Dissertation im Hofkammerarchiv
geglückt, die ersten zwölf Nummern des
Heimerischen Wochenblattes aufzustöbern. Es
hiess nicht „Intelligenzblatt“, sondern
„Temeswarer Nachrichten“ und kann, nachdem
nunmehr unumstössliche Beweise für sein
Erscheinen vorliegen, als die erste Zeitung
des Banats und zu gleich auch die älteste
Zeitung bezeichnet werden, die in unserem
Land gedruckt wurde.
Das Wochenblatt
„Temeswarer Nachrichten“ begann am 18. April
1771 zu erscheinen. Es war ein Donnerstag.
Der Donnerstag blieb auch weiterhin
Erscheinungstag. Die auf uns gebliebenen
Nummern schliessen mit dem auf den 11. Juli
fallenden Donnerstag. Wie lang das Blatt
erschienen ist, konnte bisher nicht
ermittelt werden, doch unbedingt viel
länger, als die Annahmen in bezug auf das
„Intelligenzblatt“ lauteten. Anhand der
aufgefundenen Exemplare kann sein Erscheinen
bis zum 11. Juni 1771 verfolgt werden. Zieht
man aber in Betracht, dass eine dieses
betreffende Bemerkung der Hofkammer : „ .. •
die dortendige Zeitungsblätter ohne
vorherige Revision eingedrucket und
ausgegeben worden“ vom Monat September
stammt, so steht, es fest, dass es im Herbst
dieses Jahres noch erschienen ist. Der
Schriftsteller Gottfried von Bretschneider,
der einige Jahre im Dienste der Banater
Landesadministration stand, berichtete in
einem Brief vom 14. März 1777 dem Berliner
Buchhändler Nicolai, dass es in Temesvár
Theater und Journale gäbe. Dies konnte sich
nur auf die „Temeswarer Nachrichten“
beziehen, denn von der zweiten und der
dritten Zeitung der Reihenfolge nach haben
wir erst aus dem Jahre 1782 (..Banater
Zeitung“ - s. Eingabe des „Vereines
patriotischer Freunde“ an die Temesvarer
Postdirektion vom 24. Juni 1784. „Temeswarer
Zeitung“ 7.3.1882) bzw. 1783 („Temeswarer
Zeitung“) Kenntnis. Diese aber sind mehrere
Jahre nach dem erwähnten Briefe
Brettschneiders erschienen. Bei der
zitierten Briefstelle kann es sich also nur
um die „Temeswarer Nachrichten“ handeln. In
diesem Falle aber könnte sie eine
Erscheinungsdauer von zumindest sechs Jahren
gehabt haben.
Unter
Jesuitenzensur - Nach einer
Beanstandung durch die Hofkammer wurde zum
Zensor der „Temeswarer Nachrichten“ der
Jesuitenprior Emst Neumann bestellt. Mit der
1779 erfolgten Auflösung des Jesuitenordens
war es dem Magistrat Vorbehalten, Zensoren
zu benennen. Neumann wurde weltlicher
Geistlicher und als solcher Pfarrer in der
Festung. In dieser Eigenschaft beerdigte er
Heimerl, den am 10. Mai 1785 verstorbenen
„k. k. Bannatischen
Administrations-Buchdrucker“ Matthäus Joseph
Heimerl, Herausgeber, Redakteur und Drukker
der ersten in unserem Heimatland
erschienenen Zeitung. Heimerl, dem auch
gestattet worden war, ein Kundschaftsamt zu
unterhalten, schien es nicht schlecht
gegangen zu sein. Im Häuserverzeichnis der
Festung von 1779, das dem Majestätsgesuch um
die Rechte einer königlichen Freistadt
beigeschlossen wurde, begegnet man Heimerl
mit einem Haus, das auf 3500 Gulden bewertet
wurde, die Nummer 156 führte und in der Nähe
des Judenviertels stand.
Es ist
begreiflich, dass vom Inhalt des vier bzw.
acht seiten kleinen Formats (ein Viertel
Bogen), wenn es eine „Anhang“ genannte
Beilage gab, für uns vor allem das von
besonderem Interesse ist, worin sich ein
Stück damaligen Lebens widerspiegelt. Dazu
gehören Aufsätze, wie z. B. „Seidenbau“ oder
die „Beschreibung des Bannats“, beide in
Fortsetzungen, dann Kundmachungen der
örtlichen Obrigkeit, der stadtverwaltung
oder Landesadministration, Ankündigungen
kommerzieller Natur, Verkaufsanzeigen,
darunter auch solche von Büchern,
Marktberichte und anderes. Für den Aufsatz
über die Raupenzucht ist eine „Oeconomische
Sachen“ überschriebene Rubrik geschaffen
worden, während der Banater Aufsatz - der
erste überhaupt, der über unsere Heimat in
der Presse erschienen ist - unter dem
Rubriktitel „Historisches" steht.
Wie sind
die ,,edlen Würmer" zu züchten ?
- Dem Aufsatz über die Seidenraupenzucht war
offenbar die Bestimmung zugedacht, der
Banater Seidenraupenwirtschaft, die nach
ihrer anfänglichen Blüte in den ersten
Dezennien österreichischer Verwaltung später
bedeutend zurückgegangen sein mochte, wieder
auf die Beine zu helfen. Er wendet sich an
jene, die „in Absicht des erwartenden
Vortheils oder einiger Ergötzung“ auf Grund
der unter dem Banater Himmelsstrich
gemachten Erfahrungen Versuche mit den
„edlen Würmern“ anstellen wollen. Da werden
umfassende Ratschläge erteilt, die sich auf
die Ausmasse des Zuchtraumes, die
Anfertigung der Holzgestelle und der
Zuchtfächer, die aus Rohr oder Weidenruten
zu flechten sind, und den Vorgang der
Ausbreitung beziehen. Erwähnenswert ist,
dass die Samen zunächst in ein Gefäss mit
starkem Wein geschüttet wurden. Jene, die
zur Oberfläche aufstiegen, waren schlecht
und wurden weggeworfen. Die Samen, die zur
Ausbrütung gelangen sollten, wurden zwischen
Polstern im angewärmten Ofen untergebracht,
nachts aber vorsichtshalber ins Bett mit
genommen, eine Massnahme, die als sehr
empfehlenswert galt.
Eine
historische Beschreibung des Banats
- Im „Anhang“ zu Nummer II (25. April)
wird den Lesern zur Kenntnis gebracht - man
ersieht hieraus, dass die Voranzeige, die
die Neugierde der Leser wecken sollte, auch
schon damals bekannt war -, dass mit
„nächsterem Nachrichtenblatt eine
historische Beschreibung des Bannats
Temeswar“ folgen wird. Die Veröffentlichung
sollte weniger an die Temesvarer Abnehmer
adressiert sein, da ein grosser Theil
unserer Herren Leser hievon vorunterrichtet
seyn“. Da es aber auch „auswärtige
Pränummeranten“ gäbe, so sei man
entschlossen, „von dieser Provintz so viele
Nachrichten zu ertheilen, als man
anderwärtig nicht verzeichnet findet“. Der
nichtgenannte Verfasser kommt auch auf den
Autor des angekündigten Beitrags zu
sprechen. Er nennt ihn einen Gönner dieser
Blätter und schreibt, dieser hätte die
Beschreibung zusammengetragen. Die
Voranzeige nützt gleichzeitig die
Gelegenheit, auch um die Mitarbeit anderer
zu werben. Es lohnt sich, diesen Aufruf
wortwörtlich wiederzugeben. Er lautet:
„sollten sich ein- und andere Herren
Liebhaber finden, welche unser Blatt durch
einige Ausarbeit- Zusammen- oder
Übersetzungen, sie gehören gleich in das
nützliche oder angenehme, bereichern wollen,
so ersuchen wir solche, uns damit auf eine
Art, wie es jedem selbst beliebig, zu
beehren, wo wir alsdann ohnermangeln werden,
ihre Werke unsrem Blättern, auch wenn sie es
verlangen mit Beysetzung ihrer Namen
beyzuschalten“.
Die
dakische Basis - Die Frage nach
dem Autor dieses für das Banat äusserst
wichtigen Aufsatzes zieht verschiedene
Vermutungen nach sich. Als Verfasser kann
vor allem der Herausgeber, Redakteur und
Drucker Heimerl selbst in Erwägung gezogen
werden. Es ist aber auch sehr leicht
möglich, dass es sich um eine auswärtige
Mitarbeit handelt. Der Verfasser scheint
über das Banat recht gut unterrichtet
gewesen zu sein, wozu Heimerls
verhältnismässig kurzer Aufenthalt in
Temesvár (seit 1769) eigentlich kaum
ausgereicht haben konnte. Heimerl war in der
ersten Zeit seines hiesigen Wirkens
wahrscheinlich viel zu sehr damit
beschäftigt, sein Atelier einzurichten und
in Gang zu bringen, sich eine als dauerhaft
versprechende Existenzgrundlage zu schaffen,
als ein umfassenderes Interesse für die
Bevölkerung, die Geschichte und die
Wirtschaft des Banats zu entwickeln. Der in
dem Auf satz behandelte Stoff setzt aber
eine bestimmte Gründlichkeit derartiger
Kenntnisse voraus.
Aus der
Sicherheit, mit der der Autor die nach der
Niederwerfung des dakischen Widerstandes
entstandenen römischen Beziehungen, die
dakische Basis der neuen Provinz, die enge
Sprachverwandtschaft des Rumänischen mit dem
Lateinischen beschreibt, auf einen wichtigen
Punkt der deutschen Einwanderung hinweist,
indem er als Hintergrund die misslichen
Verhältnisse in der alten Heimat erwähnt und
das Rumänentum bevölkerungspolitisch und
wirtschaftlich als den Hauptfaktor des
Banats in Erscheinung treten lässt. All das
rechtfertigt den Schluss, dass es sich um
jemanden handeln muss, der sich schon
längere Zeit im Banat aufhielt, über
bestimmte Voraussetzungen an Wissen und
Erfahrung verfügte und auch die Feder gut zu
führen verstand. Es dürfte mehr als
wahrscheinlich sein, dass es sich bei diesem
anonymen Mitarbeiter um einen höher
gestellten Beamten der Landesadministration
handeln könnte.
Ein
Banater Anonymus - Die
Eventualität, der aus Italien stammende
Domherr und Dompropst Clemens von Rossi, der
einstige Pfarrer der in Mercydorf
angesiedelten Italiener und Seiden- und
Reisbauinspektor könnte es gewesen sein -
wir denken da vor allem an die Wahrnehmungen
der lateinisch-rumänischen
Sprachverwandtschaft und die zutreffenden
Kenntnisse wirtschaftlicher Natur -, bleibt
uns jedoch verschlossen, da Rossis Ableben
in diese Zeit fällt. Seine
Hinterlassenschaft sollte öffentlich
verlizitiert werden, und etwaige Gläubiger
Rossis wurden in der zwölften Nummer der
„Temeswarer Nachrichten“ vom 4. Juli
aufgefordert, ihre Forderungen bis zum 15.
anzumelden. Rossi war zur Zeit, als die
Banater Beschreibung gedruckt wurde,
offenbar schon in einem Zustand
vorgeschrittenen Leidens, so dass man von
ihm als Autor aus diesem Grunde gleichfalls
absehen muss. - Wüssten wir nicht, dass
Brettschneiders Banater Tätigkeit erst mit
dem Jahre 1776 ihren Anfang nimmt, könnte
man ohne weiteres auf ihn tippen. Er ist uns
als ein guter Kenner Banater Zustände
überliefert. so aber tappt man im Dunkeln
herum, ohne Aussicht, das Geheimnis dieses
Banater Anonymus mit unfehlbarer Hand einmal
lüften zu können. Die äusserste Möglichkeit
bestünde noch darin, in Anbetracht seiner
Kenntnisse und Fähigkeiten an Wolfgang von
Kempelen zu denken, der später durch die von
ihm erfundene Schachmaschine europaberühmt
wurde. Nehmen wir aber in Betracht, dass
Kempelen in der Landesadministration eine
Schlüsselposition einnahm und von dem
Drucker Heimerl durch eine tiefe
gesellschaftliche Kluft getrennt war, so
wird es einem sofort klar, dass er, kaum
noch eingebürgert, kaum den Mut gehabt haben
konnte, den hochangesehenen und
vielbeschäftigten Administrationsrat um
einen solchen Aufsatz anzugehen. Abgesehen
aber von alldem bleibt es doch als einzige
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es sich
bei dem anonymen Mitarbeiter letzten Endes
wenn nicht um eine ihrer Spitzen, aber um
einen höher gestellten Beamten der
Landesadministration handeln konnte.
***
Der erste
Zeitungsaufsatz über das Banat
Historie von dem
Bannat Temeswar
„Temeswarer Nachrichten" 1771 im
Anhang von Num. III und IV
Das Temeswarer Banat
ist ein Theil des Königreiches Dazien,
welches Kayser Ulpius Trajanus,
nachdem er dessen König, den
Decebalum, überwunden, zu einer
römischen Provinz gemacht. Er führte
nachmals eine Colonie von Römern
nacher Sarmizegetusa, der ehemaligen
Haupstadt in Siebenbürgen, die sich
nach und nach in dem ganzen alten
Dazien ausgebreitet hat. Dieses
beweisen die aus jenen Jahren
vorfindlichen Innschriften, von
welchen wir jene zwey hier anmerken,
die noch dermalen ziemlich conserviert
zu Caransebeş vorhanden, und alldorten
an der Verwalter-Amts-Canzley
eingemauert stehen. Sie lauten
also :
I
Publi Aeli Ulpv
Praefi &ex Dec:
Hane sedem longo
piacúit sacrare labori,
Hane requiem fessos
tandem qua conderet artus,
Ulpius emeritis
longaevi muneris annis.
Ipse suo curam
titulo dedit ipse sepulchri.
Arbiter Hospitium
membris fotoque paravit.
II
Q : Marcio Turioni
Frontoni Publiciosevero Praf :
Praet Imp : Caes :
Aely Traiani Hadriani Augüsti
P. P. Colon. VII.
Traian. Aug. Dacia sarmizegetusa.
Die neue römische Provinz gieng unter
dem Kaiser Galliens wiederum
verlohren, und ob sie gleich von
Claudio dem Zweyten, welcher an unsern
Gränzen zu Syrmien verstorben, unter
die Bottmässigkeit zurückgebracht
wurde: so schüttelte sie dennoch das
römische Joch abermal von sich. Die
Gothen und Avarer machten sich hernach
zu Herren dieses Landes, bis es
endlich im neunten Jahrhundert unter
Hungarn gekommen. König Stephanus der
Erste machte das Banat samt
Siebenbürgen zu Hungarischen
Provinzen; es verbliebe aber von Anno
1552 an, nachdeme Ludwig der Zweyte,
König in Hungarn, die unglückliche
Schlacht bey Mohacz geliefert hatte,
in türkischen Händen.
Endlich
wurde es nach einem 164jährigen Besitz
in dem Passarowitzer Friedensschluss
im Jahre 1718, nachdem der
heldenmüthige Prinz Eugenius die
Vestung Temeswar im vorhergehenden
Jahr eingenommen, und in selbe durch
die noch heutzutag zu dessen ewigem
Ruhm in der Hospitalgasse stehende
Pforte, eingerücket, dem Haus
Oesterreich abgetreten, und im Jahr
1739 geschlossenen Belgrader Frieden
mehrmaligen bestättiget.
(*
Fortsetzung der Historie des Bannater
Temeswar - Anhang zu T. N. Num. III.)
Weil diese Provinz als ein
necaquisitum angesehen worden, so
wurde auch selbe dem Königreich
Hungarn nicht weiter ein verleibet,
und das sich in dem Land weder Stände
noch Adel befindet, welcher einige
ihme verliehene Güter besitzet, so
regiret der Landesherr hieseibst auch
ohne einige Beschränkung.
Es ist
zwar diese Incorporirung auf einigen
Landtagen von denen ungarischen
Ständen anersonnen; aber nicht
bewürbet worden, weilen billig zu
befürchten stünde, dass die
Nationalisten damit unzufrieden seyn
würden.
Das
Bannat machet in der Figur ein Viereck
aus, die Flüsse Maross, Theiss und die
Donau samt dem hohen Gebürg gegen die
grosse Wallachey und Siebenbürgen
umgeben selbes, und stellen seine
Gränzen. Die Flüsse, welche es von
innen durchschneiden, seynd die
Themess und Dega (offenbar ein
Druckfehler - soll Bega heissen) bey
welchen zur Aufnahme der Handlung ein
schiffbarer Canal angebracht ist, aus
welchem man die Schiffe in die Theiss,
Donau und weiter überführen kann.
Die
Provinz wird durch eine ordentliche
Cammer regieret, die man die
Landes-Administration nennet, und sie
spricht in Policey- und Criminalsachen
nach den Unterösterreichischen
Gesetzen. Ausser der herrschenden
Catholischen Religion haben auch die
Unirte und Ununirte Griechen das freye
Reiigions-Exercitium. Ansonsten wird
diese Provinz in eilf verschiedene
Districten eingetheilet, und sie
übertrifft an Grösse und Markgraffthum
Mähren. Wie gering aber noch die
Bevölkerung seye, lasst sich aus dem
Seelenverzeichniss abnehmen, welches
noch nicht viel über 400 000 derselben
aufweiset. Es ist also hieraus der
Schluss zu ziehen, wie viele Familien
dieses Land annoch einzunehmen
vermöge.
Die
Fruchtbarkeit dieses Landes ist so
gross, dass die Erde, ohne bedünget zu
werden, alles das reichlich
hervorbringt, was die Nothdurft des
menschlichen Lebens erheischet; da
aber noch eine Menge arbeitsamer Hände
abgehen, so ist die Provinz immer noch
an viele Dinge, die von auswärts
müssen geholet werden, gebunden.
(Fortsetzung der Historie von dem
Bannat Temeswar - TM Num. IV. 9. May
1771). - In dem flachen Lande ist die
Luft, wegen den noch übrigen Morästen
in Absicht auf den Gesundheitszustand,
noch etwas beeinträchtigend; es hat
aber die wohltätig Natur auch hievor
in dene gesorget, dass sie aus ihrer
Schosse bei Medahia ein vortreffliches
Gesundbad hervorquillen lässt, welches
sonderheitlich den Conträcten und
Gichtbrüchigen heil ist. So will man
auch kurtznin in den Bergwerken eine
gesunde Quelle entdecket haben, welche
gegen das Fieber gute Würkung haben
soll.
Die
Einwohner bestehen aus Teutschen,
Wallachen, Raitzen, Griechen und
einigen Hungarn, sie wohnen vermischt
in Orten beysammen. Die Anzahl der
ersteren erstrecket sich schon der
Zeit auf etwelche 45 000 Seelen. Ein
untrügliches Zeuniss, dass unsere
theuerste Souveraininn hier den Altar
errichtet - welcher ehemals in Athen
der Barmherzigkeit geheiliget Stunde,
und wohin die Unglückliche aus allen
Ländern, als zur allgemeinen
Glückseligkeit der Bedrückten
ihre Zuflucht genommen. Nur in einer
Frist von vierthalb Jahren hat man
3709 derley in anderer Ländern
Verunglückte emigrierte Familien
aufgenommen, und sie mit Reisegeld,
Häusern und Gerätschaften zu ihrem
Etablissement versehen.
Die
Wallachen machen den grössten Theil
der Bewohner und sie nennen sich in
ihrer sprache Rumâni, dies ist Römer,
und diese seynd eigentlich die
Ueberbleibsel der schon oberwehnten
von dem Kayser Ulpio Trajano hierher
übersetzten Colonie. Ihre Sprache hat
die grösste Gemeinschaft mit der
Lateinischen wie denn auch ihre
Kleidung, Gebräuche und Speisen noch
viele Übereinstimmung mit der
altrömischen haben. Ihre Statur ist
schlank, lang, stark und schön, ihre
Beschäftigung die Viehzucht, und hie
und dorten auch der Ackerbau, den sie
aber, den türkischen Waizen (Mais)
oder Kukurutz ausgenommen, noch
schlecht zu bestellen wissen. Ihre
Kost bestehet meistens in einer Art
Polenta, welche sie so wie ihr Brod
aus türkischem Waitzen maichen. Ihr
Getränke ist Raky, ein aus Zwetschen
und blauen Pflaumen gebrenntes Wasser,
das ihrer hartvertauliche Kost zwar
wohl zu statten kommt, ansonsten aber
stark berauschet.
In ihrer
Religion werden sie durch zween
Bischöffe in dem Bannat geleitet,
deren jeder zu 26 000 und mehr
Feuerheerde in seinem Bisstum zahlet,
und hievon einiges Einkommen beziehet.
Es last sich also schliessen, dass das
Temeswarer Bannat in der Bevölkerung
die Insel Corsica zweymal übertreffe,
welche im Jahr 1769 nur 26 000
Feuerheerds in allem gezählet. Diese
griechische Geistlichkeit hat in dem
Bannat 11 kleine Mönchenklöster
worinnen aber das Personale nur 53
Köpfe ausmachet. Der übrige Theil der
Bewohner bestehet aus Raitzen und
Griechen. Diese besitzen fast den
ganzen Handel des Landes.
***
1970
07 03 - Neuer Weg - Die erste Zeitung des
Banats - die älteste des Landes II -„Temeswarer Nachrichten“
1771 - Wirtschaftlicher,
administrativer und kultureller
Zeitspiegel -Preisregelung, Kauf und
Verkauf, Goldgeschäfte und Lizitationen - Von Franz Liebhard -
Wenden wir uns den
amtlichen Verlautbarungen und Kundmachungen
zu, die das damalige Leben im Banat
betrffend manchen Aufschluss vermitteln, so
finden wir gleich in der Nummer I (18.
April) eine Verordnung, die beide Magistrate
(der deutsche und raizische) anzuwenden
hatten. Es handelte sich um die Holzfuhren
aus dem Holzstadel - dem aerarischen
Holzlager, wo das auf der Bega
herabgeschwemmte Scheitholz aufgestapelt
war. Anfangs dieses Jahrhunderts bestand
noch der alte Holzschwemmkanal, der am
Mühlplatz in der Fabrik (bei der rumänischen
Kirche) aus dem Begabett trat und ins
Holzstadel führte, das hinter dem heutigen
Neptunbad lag.- Die Administration fordert,
die Magistrate; mögen gegen die Fuhrleute
streng einschreiten, die sich unterstehen,
für eine Fuhr, die sechs Groschen kostet (18
Kreuzer plus 3 Kreuzer für T rinkgeld) um
zwei bis vier Groschen mehr „abzuheischen“.
sie seien nicht nur streng zu verweisen,
sondern nach jedem „über die Gebühr
empfangenen Kreuzer“ mit einer Geldstrafe
von einem Gulden zu belegen.
Fischer auf die Prügelbank - In
der Nummer II wird von der
Landesadministration ein allerhöchste
Verfügung bekanntgegeben, die sich „gegen
das schädliche Ausfangen der Fischbrut“
durch Unbefugte, aber auch durch
professionelle Fischer wendet, die mit
enggeknüpften Netzen die Bega abstreifen. Es
wird angeordnet, dass die Netze nach
einheitlichem Mass anzufertigen seien, zu
welchem Zweck beim Vorstand der Zunft ein
gestempeltes Brettlein als festgelegtes
Muster vorzuliegen habe. Untersagt sei es
auch, kleine Fische für Köder zu fangen. Für
solche Zwecke seien Maden zu verwenden, Mit
Angeln dürfe nur in tiefem Wasser, wo sich
die grossen Fische aufzuhalten pflegen,
gefischt werden. Wer anderswo dabei ertappt
werden sollte, dem werde das Fischergerät
beschlagnahmt, er selbst aber unterliege
einer empfindlichen Geldbusse. Kann ein
straffällig gewordener Fischer nicht zahlen,
so gelangt er auf die Prügelbänk. Im Falle
weiterer Übertretung folgt Arrest: acht Tage
das erste Mal, das doppelte im
Wiederholungsfall, dazu noch Arbeit in
Eisen. Häufen sich die Übertretungen, so
wird die Strafe noch verschärft. Der
Betreffende kann sogar aus der Zunft
ausgeschlossen und des Ortes verwiesen
werden. Die Fischerzunft ist verpflichtet,
diese Bestimmungen den Mitgliedern jährlich
mehrere Male vorlesen zu lassen.
Preiswucher der Mehlhändler -
Nicht geringe Missbräuche scheinen sich die
Mehlhändler zuschulden kommen lassen zu
haben. Sie werden in einer amtlichen
Verwarnung aufgefordert, nicht um höhere
Preise zu verkaufen. Es gab Mehlhändler, die
sich weigerten, die Käufer zu bedienen, wenn
diese es ablehnten, mehr als den
festgesetzten Preis zu entrichten.
schliesslich ergeht die Aufforderung, solche
Mehlhändler unnachsichtig anzuzeigen. Diese
Warnung wurde später noch einmal
veröffentlicht. scheinbar hatte die erste
Kundmachung keinen Erfolg und die
Mehlhändler fuhren fort, bestimmte Mehl und
Griessarten, die in einem vorangestellten
Verzeichnis aufgezählt sind, um einen
höheren Preis zu verkaufen, und Käufer, die
sich nicht schröpfen lassen wollten, ganz
einfach nicht zu bedienen. Die festgesetzten
Preise waren für Mundmehl: aus Metzen
(österr. Metzen = 61.48 l) 2 Florin, ein
Achtel - 15 Kreuzer, ein Mass - vier
Kreuzer; Semmelmehl: ein Metzen - 1 Florin 4
Kreuzer, ein Achtel - 8 Kreuzer, 1 Mass - 2
Kreuzer; Pollmehl: 1 Metzen - 39 Kreuzer, 1
Achtel- 5 Kreuzer; Griessmehl: 1 Mass - 19
Kreuzer.
Die Kontrolle, die von den
Verwaltungsbehörden über die Bevölkerung
ausgeübt wurde, war sehr engmaschig. Das
geht au seiner Mitteilung der Nummer IX (13.
Juni) hervor, wonach auf Veranlassung der
„löblichen Policey“ eine von Heimerl in
Kommission gedruckte „Verzeichnis-Tabelle“
an die Hausbesitzer um 4 Kreuzer das Stück
abgegeben wird. In dieses Verzeichnis haben
die Hauseigentümer vor allem ihren Namen
einzutragen, dann auch alle Mietsleute,
sowie deren Angehörige und Dienstpersonal.
Dabei waren folgende Rubriken auszufüllen:
Name, Alter, Religion, Geburtsort,
Familienstand, Profession oder wenn keine
die „sonstige Nahrung“
Hausierer- und Schwarzhandel mit
„Frauenputz" - Zur Eindämmung
des Hausiererhandels, der unter den
damaligen Verhältnissen stark um sich
gegriffen haben musste, und zum Schutz des
Handelsstandes wird in Nummer V eine
allerhöchste Verordnung abgedruckt. Wenn
jemand auf frischer Tat ertappt wird, dass
er mit Waren von Haus zu Haus zieht, so wird
ihm die Ware beschlagnahmt, wobei ein
Drittel dem Denunzianten zukommt. Der
Handelsstand ist berechtigt, unter Zuziehung
der „Comercial-Assistents" auf eigene Gefahr
bei Personen, die im Verdacht stehen,
ambulanten Handel zu treiben,
Hausdurchsuchungen vorzunehmen. Wird jemand
wiederholt bei unbefugtem Handel gefasst, so
wird ausser der Beschlagnahme der Ware auch
Geld- oder Leibesstrafe angewendet. Handelt
es sich um sogenannte Leinwand-Kroaten, die
zu jener Zeit eine stark verbreitete Art des
Hausiererhandels vertraten, so war ausser
der Konfiskation der Waren auch die
Ausweisung der Betreffenden zu vollstrecken.
Ein Verbot war auch gegen Personen beiderlei
Geschlechts erlassen, die „Frauenputz“
verfertigten und damit Handel trieben,
mithin sich in Bezug auf Gewerbe und Handel
eine doppelte Interessenschädigung
zuschulden kommen liessen. In Fällen
frischer Tat war ausser der Beschlagnahme
eine recht hohe Geldstrafe von 24
Reichstalern auszuwerfen. sowohl von der
Ware wie auch von der Geldstrafe fiel die
Hälfte den Denunzianten als B elohnung zu.
„Sachen so zu verkaufen“, unter diesem Titel
veröffentlichte die Zeitung Anzeigen von
Privatpersonen, die sich auf Verkäufe, auf
Angebote gewerblicher Erzeugnisse,
Lizitationen u. a. bezogen. so war
Siegelwachs, dazumal in der privaten und
amtlichen Korrespondenz viel gebraucht, in
der Katharinengasse „gegenüber dem
Kupferschmied“ in drei Qualitäten zu haben:
„ordinari, fein und superfein“ (Nr. IV). In
der gleichen Nummer liess der
Schuhmachermeister Adam Geschray
bekanntgeben, dass er „lederne Feueramber“,
um 2 Florin das Stück, zum probeweisen
Gebrauch verkaufe.
Der Lugoscher Unterverwalter von Tomejan
erklärt sich unter der Überschrift
„Auszuleihende Capitalien“ bereit, ein
Kapital von 3500 Florin zum normalen
Zinsfuss mit „hinlänglicher Hypothek “ zu
verleihen . Derselbe Herr s. von Tomeyan,
der mit seinem vollen Namen Ritter von
Adlersheim hiess, suchte Käufer für sein
Haus auf dem Jesuitenplatz (später Seminar
Sankt Georg, heute Vasile Roaitâ), das nach
seinem Hauswappen „Beim grossen Chrystoph“
genannt wurde. Einzelheiten waren im k. k.
Bräuhaus zu erfahren. Aus irgendwelchem
Grund muss Tomejan gezwungen gewesen sein,
seine Vermögenswerte zu Geld zu machen. So
kündigt er auch sein Gestüt und sein
Zuchthornvieh auf dem Praedium Pakacz auf
dem Hotter des viel später gegründeten
Alexanderhausen als käuflich an.
Einzelheiten kannte man gleichfalls in der
Brauerei erfahren.
Alexander Tomeyan, ein Grieche, in anderer
schreibart Domiain, auch Thomenain, kommt in
den Akten der Banater Administration nicht
selten vor. Er war ein sehr wohlhabender
Praedienpächter und Viehzüchter, vermutlich
der Vater des oben Genannten. Er betätigte
sich ursprünglich als Händler und mitunter
auch als Züchter. Die Pakaczer Puszta wurde
ihm 1746 durch allerhöchstes Hofreskript um
300 Florin auf zehn Jahre zugesprochen, es
ist ihm aber gelungen, die Pachtsumme
herabzudrücken, denn in dem vom 25. April
1746 datierten Vertrag mit der
Landesadministration ist ein Pachtbetrag von
201 Florin genannt. seine Witwe, die in
Vinga lebte, war gleichfalls
Praedienpächterin. 1748 wurde sie von der
Administration aufgefordert, die überfällige
Pacht zu begleichen.
In den amtlichen Schriften taucht 1725 in
Verbindung mit dem Praedium Beschenowa der
Name Tomejan in einem Bericht auf, aus dem
hervorgeht, dass dieser von dem Harambascha
(Heiduckenhäuptling) Riszto oder Rista, der
im nördlichen Banat von der Theiss bis tief
in den Lippaer Bezirk gejagt wurde und auf
dessen Kopf zuerst 100, später 200 Florin
als Fangpreis ausgeschrieben waren, auf dem
Praedium Bescnenowa ihm einen Drohbrief
einhändigen liess. Wie wir sehen, gehörten
die Tomejan zu jener sehr wohlhabenden
Schicht von Weidepächtern und Viehzüchtern,
die gegen die theresianischen und
josephinischen Ansiedlungsaktionen, die sich
grösstenteils auf den ausgedehnten
Viehweiden zu vollziehen hatten, aus
verständlichen Gründen zähesten Widerstand
leistete.
Ein Herr Sahovino suchte auch einen Käufer
für sein auf dem Jesuitenplatz befindliches
Haus.
Was wurde im Bürgerspital
verlizitiert? - Auch die
Lizitationsverlautbarungen enthalten manches
Interessante. so wird in Nummer III
kundgegeben, dass im Gebäude des
Bürgerspitals, das zum Teil als Wohnungen
vermietet war, verschiedener Hausrat an
Meistbietende versteigert wird. Nr. V zeigt
an, dass im Hause des Provisionsamtes
Effekten des verstorbenen Postmeisters von
Betschkerek, wie Silber, Zinn, Kupfer
(wahrscheinlich Gefässe), „Kuchelgeschirr“,
Kleidung, Tischzeug, Tische, Kästen, Sessel,
„Bettgewandt“, männliche und weibliche
Wäsche, „Hausratschaften “ am 27. April
verlizitiert werden. Bis nicht alles
verkauft ist, geht die Lizitation von Tag zu
Tag weiter.
Eine Versteigerung ist auf den 6. Mai
ausgeschrieben, die Vormittag von 9-12,
Nachmittag von 3-6 dauert und bei der
„Hauseinrichtungseffekten , als
Kupfergeschirr, von Blech, Zinn, Holzwerk,
Gläser, Bettgewandt, Porcellan, Uhren, usw
licitando an die Meistbietenden verkaufet,
und damit die folgenden Tage zu obbemeldten
Stunden continuirt werden“.
Eine weitere Lizitationsanzeige ist vom 6.
Mai datiert. Gleichfalls im Bürgerspital
wird die aus Silber-, Zinngegenständen,
Kasten, Tuch, Sesseln, Bettgewand, Kleidern,
Wäsche und anderen bestehende
Hinterlassenschaft des verstorbenen
„kayserlich - königlichem
Provincialcommissariats-Assistens"
Bonaventura Heim an die Meistbietenden
verkauft. Ganz anderer Natur ist die auf den
28. Juni anberaumte Lizitation über die
Verpachtung der Branntwein - und
Weinschankgerechtigkeit, die dem
freiherrlich Mezradischen Haus anhaftet, da
der „Arrendacontract“ der bisherigen Pächter
mit dem Monat Juli abläuft. Die Anwärter
haben sich im Bier- und Weinwirtshaus des
Mezradischen Hauses am angekündigten Tag zur
festgesetzten stunde einzufinden.
„Pitschir"-Stecher, Lotterie und
Schnupftabak - In der Nummer III
gibt unter dem Rubriktitel„ Arbeitsuchende
und sichrecommandierende Leute “ein Herr
Frank Birnstiel zu wissen, dass er „Kupfer
und Pitschir (Petschaft) sticht, allerley
feine Arbeit in Gold und silber verfertiget,
auch Juwele und andere Steine fasset.“ Der
Kupferstecher Birnstiel spricht die Herren
Liebhaber an, die sich seiner Kunstarbeit
bedienen wollen, dies in der „allhiesigen
Buchdruckerey“ anzuzeigen.
Aus einer Anzeige in Nr. IV erfährt man,
dass in der Stadt auf dem Domplatz eine
Lotteriekollektur besteht, wo man aber nicht
nur setzen, sondern auch „Schnupf- und
Rauchtabacke“ pfundweise, aber auch in
kleineren Mengen kaufen konnte. Eine andere
Ankündigung hob hervor, dass der Tabak um
billigen Preis zu haben sei. Dass der
Schnupftabak an erster stelle steht, ist
kein Zufall, denn zu jener Zeit wurde
unvergleichlich mehr „geschnupft“ als
geraucht. Dies bekräftigt auch die Tatsache,
dass es in der Fabrik eine Tabakmühle gab,
und zwar nahe zur Stelle, wo die Wolfengasse
in die Nussblättergasse einmündete. Diese
wurde, lange schon ausser Betrieb, im
zweiten Dezennium unseres Jahrhunderts
abgetragen.
Ziehungen bei Pauken und Trommelschlag
- Nr. VII bringt die für
die Bevölkerung erfreuliche Nachricht, dass
am 28. Mai die k. k. privilegierte Lotterie
auch hier Ziehungen zu veranstalten
beschlossen hat. Dies war für Temesvár ein
unwiderlegbares Zeichen, dass es in die
Reihe der Stadtkommunen ersten Ranges
eingerückt war. Die Ziehung war bei Pauken-
und Trommelschlag in der Öffentlichkeit auf
elf Uhr festgesetzt, scheinbar dachte man
anfangs monatlich einmal eine Ziehung
anzuberaumen, die nächste wurde
dementsprechend für den 28. Juni vormittags
angekündigt. Bei dieser geschichtlichen
ersten Ziehung wurden 71, 39, 52, 74, 18
gezogen, wobei es viele „Ambi“ gab, über die
Ergebnisse einer zweiten Ziehung berichtete
die Zeitung ebenfalls, doch fand diese schon
am 5. Juni statt. Diesmal förderte das
Glücksrad folgende Nummern zutage: 74, 87,
38, 54, 9. An Gewinnen gab es einen Terno
von 13 und einen von 23 Dukaten für
Temesvár, einen Terno von 10 Dukaten für
Werschetz, je einen Terno von 13 bzw. 14
Dukaten für Lugosch, ferner viele kleinere
„Ternen, Amben und Extrakten“.
Die Nachricht schliesst mit der Mitteilung,
dass die dritte Ziehung am samstag, dem 20.
Juni, abgehalten wird. Daraus ist
ersichtlich, dass die ursprünglich
festgelegte Reihenfolge abgeändert wurde.
Die grössere Häufigkeit der Ziehungen lässt
darauf schliessen, dass sich das Lottospiel
bei den Temesvarern von Anfang an so grossen
Zuspruchs erfreute , dass die
Lotteriedirektion gezwungen war, Ziehungen
mit wesentlich kürzeren zeitlichen
Zwischenräumen zu veranstalten. Etwa ein
Jahrhundert später erreichte das „Temesvarer
Lotteriefieber“ seinen Höhepunkt durch die
gewagten Glückskorrekturen einiger
Lotterieangestellter, denen ihre grössten
Aufsehenerregenden Gewinne aber auch
mehrjährige Gefängnisstrafen einbrachten.
Der Temesvarer Lottoprozess war zu jener
Zeit eine europäische Sensation.
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