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Johann Szimits - Mundartdichter

  Johann Szimits wurde am 5 Juli 1852 als Sohn des Stiefelmachers Paul Thoma Szimits und seiner Ehefrau Eufenia Zsivanovics in Bogarosch geboren. Da die Eltern, zugewanderte Serben, orthodoxen Glaubens waren liessen sie ihren Sohn in einer Nachbargemeinde in einer Kirche dieser Glaubensgemeinschaft taufen. Dies erklärt die Tatsache dass der Name Szimits nicht in den römisch-katholischen Matrikeln der Pfarrei Bogarosch erscheint. Warum die Szimits´ nach Bogarosch kamen, ist nicht überliefert jedoch: Mitte des 19 Jahrhunderts sind, nach serbischem und ungarischem Vorbild, die Stiefel - die Tschismen - bei den Banater Schwaben in Mode gekommen. Dieser Umstand hat eine große Nachfrage in den deutschen Dörfern hervorgerufen, und Bogarosch musste demgemäss dem Tschismenmacher Paul Thoma Szimits als vielversprechendes Betätigungsfeld erschienen sein. In Bogarosch besass die Familie kein eigenes Haus und Feld. Das Haus Nr. 523 (alt 175) soll das Geburtshaus des Dichters gewesen sein, wo die Familie Szimits in Untermiete bei Mathias und Katharina Martin gewohnt haben dürfte. Franz Heinz begab sich 1969 auf Spurensuche:

Ein alter Mann führt uns die Strasse hinunter. Das Haus steht mit dem Giebel zur Strasse. Hoch oben die Jahreszahl: 1967. Martin Jung, der heute das Haus bewohnt (eines der ältesten der Gemeinde), liess den Giebel erneuern und große Fenster zur Straße hin einsetzen.  Wir treten durch das Gassentürchen in den Hof - aber lassen wir Szimits selbst erzählen, der in „Pipatsche un Feldblume" das schwäbische Jahr und das schwäbische Haus liebevoll und anschaulich schildert: „dr Hof is oft gepflaschtert, die Häuser als gfärwelt un mit Ziegle gedeckt, oft mit e Vorhäusel drbei, for im Summer drunner zu esse, odr kleeni Hausarweite zu mache. Hinnezus sin die Ross- un Kuhställ un dr Schopp am Hausend. Die Häuser sin als so ingericht, dass dr Bauer vun dr voderscht Stub bis in de Rossstall kann drdorch gehn... Drüwe üwerm Hof is's Kleenhäusel, was oft aa so gross is wie's Haupgebäu. Dr Gang ist oft ganz, oft aa nor owe gemolt vun dr Hausfrau, die die Muschtr drzu manchmol beim Krämer kaaft, odr aus ihrem Kopp muschtrt... Oft is vorm Haus's schönscht Blumegärtl"

Das Haus Nr. 523 in Bogarosch (im Bild der Zustand von 2003), das wir besuchen, und in dem Johann Szimits seine Kindheit verbrachte, fügt sich der Beschreibung bis ins Detail. Hier wuchs der Dichter heran und hier wo er von klein auf mit deutschen Kindern spielte und wo er das Leben, das Arbeiten und Feiern des schwäbischen Bauern als voll akzeptiertes Mitglied der Dorfgemeinschaft und nicht als Aussenseiter erfuhr, wurde er selbst zum Banater Schwaben. Er wuchs in dieses Volk hinein, man weiss das Szimits - im Sinne jenes heute nicht mehr vorhandenen, typisch alt-banater Menschenschlages - neben Deutsch auch die übrigen gängigen Sprachen beherrschte: Ungarisch, Rumänisch und Serbisch.

Als Szimits in die Schule kam unterrichtete in Bogarosch der Oberlehrer Mathias Ferch. Dieser war ein Pädagoge von besonderem Format dessen berechtigter Stolz es war, dass aus "seinem" Ort besonders viele Intellektuelle hervorgegangen sind. Ferch erkannte bald in Johann Szimits einen besonders aufgeweckten, lernbegierigen Jungen und brachte ihm seine besondere Sympathie entgegen. Szimits wurde so der Lieblingsschüler Ferchs, der seinerseits den Lehrer auch nicht enttäuschte trotz vielen Fehlens vom Unterricht - das Zeugnis für das Schuljahr 1863/64 weist 75 Tage Abwesenheit wegen häuslicher Arbeiten aus. Das eben genannte Abschlusszeugnis - mit diesem verliess Szimits wie allgemein üblich im Alter von 12 Jahren 1864 die Schule, - bescheinigte ihm sehr gute Deutschkenntnisse und erteilte ihm die Höchstnote: "I Kategorie mit Vorzug".

Die Eltern waren nicht soweit begütert dass sie ihren Sohn weiter zu Schule schicken hätten können, und so gelangte der Junge zu seinem Vater in die Lehre. Diesem stand aber keineswegs der Sinn danach ein Schuster zu werden. Jede freie Minute nutze er um sich weiterzubilden, begierig verschlang er jedes Buch das ihm in die Hände fiel. Auch noch in späteren Jahren arbeitet der Autodiktat Szimits an seiner Weiterbildung. Seine jüngste Tochter, Maria Serena berichtete darüber: "Er studierte gerne und viel, alles was ihn daran hinderte war ihm leidig".

Als 1870 der in Utvin lebende Großvater starb, zogen die Szimits dahin um den geerbten bescheidenen landwirtschaftlichen Besitz zu bewirtschaften. Nun ging es der Familie materiell besser, sie bauten sich ein Haus und dem 18jährigen Sohn Johann richteten sie einen kleinen Krämerladen ein, Der Vater hatte wohl eingesehen dass sein Sohn keine besondere Hingabe weder für den Schusterberuf noch für die Landwirtschaft besass. Auch hier im Laden nutze Johann Szimits jede freie Minute um sich weiterzubilden, er las jedes Buch dessen er habhaft werden konnte.

1873 musste der mittlerweile 21jährige zum Militär. Er rückte zu 61 Regiment nach Temeswar ein, dem er sich zeitlebens verbunden fühlte. in seinem Stück "Zum Vortraan" erinnert er sich: "Die schönst Leut vun dr ganz Umgebung sin doch die Eenunsechziger! Wann eener saan wellt: "´s is net wohr!" dem hauet ich em ens uf die Kerbs, daß´s de höchscht Dampfmühlraachfang for e Pfeifferöhre un die Domkerch for e Rackibrennerei anschaue tät. Fix Gramatanten un Guvernante üwrenanner, ich sin halt dr Allerfeschesti vun die 61er."  Szimits lag der Dienst bei Militär, in der k.u.k Armee fand er seine zweite richtige Heimat. Er Zeichnete sich "durch mustergültige Aufführung, brave Dienstleistung, vielseitige Verwendbarkeit und guten Verstand" aus und wurde auch hier der Liebling seiner Vorgesetzten. Schnell machte er Karriere und stieg zum Unteroffizier auf. Nach abgeleisteter Dienstzeit entschied er sich zum Verbleib in der Armee als länger dienender Unteroffizier.

Am 17 Februar 1879, im Alter von 27 Jahren heiratet der Dichter die aus Albrechtsflor stammende Elisabeth Leser. Er muss damals ein stattlicher junger Mann gewesen sein. Seine 1972 einzig noch lebende Tochter Serena Maria schildert ihn so: "Er war hochgewachsen (183 cm). Sein Wesen war ernst. Er besass eine gewaltige Singstimme und musizierte gerne. Er zeichnete schön und hatte eine ausgeprägte Schrift. Alkoholische Getränke genoss er nicht, doch rauchte er Zigarren. Auch war er ein angenehmer Gesprächspartner ..." Mit seiner Verehelichung verbindet sich auch die erste Erinnerung ans Szimits´ dichterisches Schaffen: seiner Braut schrieb er ein Gedicht - sein erstes Gedicht. Sein zweites Gedicht folgte zur Geburt des ersten Kindes, womit sein fruchtbares literarisches Schaffen den Anfang nahm.

Temeswar und Wien: es war die grosse Stadt, in der Szimits seit seinem 21 Lebensjahr leben musste und wo er äusserlich zum „Herrischen" wurde. Doch das war nicht seine Welt, seine Welt war das schwäbische Dorf der Banater Heide, dieses Gebiet der unendlichen Weiten, der Ebene westlich der Hauptstadt Temeswar. Dieses Verhältnis zu Banater Heide war offensichtlich viel mehr als nur eine gefühlsmässige Beziehung zu einer Landschaft und ihren Menschen. Für Johann Szimits war dieses Stückchen schmuckloses Flachland hinter Temeswar der Boden, der ihn trug, als Mensch und Dichter. Es ist ein Land das sich in seiner Offenheit gleich ganz anbietet, und das sparsam in der Mitteilung ist, weil es so einfach ist mit seinen grossen Äckern und seinen geordneten Dörfern. Man muss diesem Land angehören, um es zu begreifen. Johann Szimits war ein Teil dieser Banater Heide. Sein Sehnen und Fühlen gehörten dahin, seine Dichtung wurzelt in der Realität des banatschwäbischen Dorfes. Dessen Wirklichkeit ist es die in seinem Werk lebt und die er in einer heiter - verklärten Weise darstellt. Sein dichterisches Werk hat hier, in dieser Landschaft mit ihren Menschen seinen Ursprung, seine schöpferische Kraft wurzelte darin. Die Welt, das war nicht Wien, das war die Dorfstrasse in Bogarosch, und die Zensur sass für ihn nicht in Budapest, sondern in den schwäbischen Bauernhäusern im Banat. Was da nicht ankam, war zweifellos verfehlt.

Keine Gelegenheit, Bogarosch zu besuchen, blieb ungenutzt, kaum eine Möglichkeit, in Temeswar und dann in Wien einen Landsmann zu begegnen. Im Wirtshaus auf der ehemaligen Csoka-Pussta vor Temeswar, so berichtet der spätere Mundart Dichter aus Sanktandreas, Karl Braun, pflegte Johann Szimits wiederholt einzukehren wenn er unterwegs war. Das Wirtshaus aber, in dem Szimits ein bekannter und gern gesehener Gast war, liegt an der Strasse nach Bogarosch. Josef Kerschen erzählt, das der Dichter, aus Wien kommend, wiederholt bei seinem Vater Franz Kerschen in Bogarosch gewohnt und diesen seinerseits einmal in Wien freundschaftlich beherbergt hätte. Die 1969 in Kleinbetschkerek lebende Szimits - Tochter Serena Maria, wies in diesem Zusammenhang auf die sechswöchigen Jahresurlaube hin, die ihr damals in Wien beamteter Vater am liebsten im Banat verbrachte.

Auf dem Höhepunkt seiner Kräfte und völlig unerwartet starb Johann Szimits am 26 März 1910 in Mödling nachdem er tags zuvor einen Hirnschlag erlitten hatte. Er wurde auf dem Mödlinger Friedhof beerdigt.


Quellen: 1. Gottfried Habenicht: Pipatsche un Feldblume vun dr Heed;    -    Kommentierte Ausgabe der banatschwäbischen Volksliedersammlung des Johann Szimits von 1908.  2 Johann Szimits - Der "Lerche der Banater Heide" zum  Gedenken, Wien 1963. 3. Heinz Franz: Daheim bei Szimits. Artikel im "Neuer Weg" vom 15.02.1969. 
 

treffen2014

 

 Möcht in Bogarisch sin

Möcht manchmol in Bogarisch sin,
Wann grad die Kerweihzeit.
Do denk ich: "Oha!" weil vun Wien,
Der Wech is viel zu weit.
Ich kumm, laaf ich mich halwr todt,
Mit Schuschtrsch Rapp zu spot!

Ich möcht mer wähle dort e Haus,
Wu grad der Tisch is ´deckt.
Daß aa bei mir der Appetit,
Dorch Faschte wär geweckt.
Un daß ´s der Müh a wert tät gin,
Mei Riem´ müßt locker sin!

Ich möcht am Kerweihkuche rum,
Mol schneide so im Krees.
Das abdeckt werd, so lang was do,
Des machet mich nor bös.
Tät trinke: "Hausfrau 3 mol hoch!"
Un saan: "Jetz gif m´r noch!"

Ich wollt im Wert seim Keller sin,
Wann er am Pipe dreht.
Dort möcht ich uf der Ufpaß gsiehn,
Ob aa dort Wasser steht.
Wann ich´n Wein tät taafe gsiehn,
Tät er e Tachtl krien!

Ich wollt ich wär e Kerweihbu,
Gepuzt mit Hut un Band.
Un tät vun Mädle ´s Allerschönscht,
Dort führe an der Hand.
No tät als luscht´cher Kerweihbu,
Ich juxe: "Hujujuu!".

Ich wollt mei Mädl führe no,
Zum Majebaam um´s Faß,
Mein Weinflasch werfet ich in d´Höh´,
Bis in die nächschti Gaß.
Un no, de Vortanz, Ihr tät gsiehn,
De müßt mei Mädl krien!

No möcht ich bei de Anre aa,
Beim Susi, Leen und Greet,
Beim Marjan, Amei, Kati gsiehn,
Ins Herz, wies dort drinn steht.
Glaab: ´s müßt e großr Tanzsaal sin,
Voll Kerweihbuwe drinn.

No möcht zu ihrm Schutz e mol,
Ich ihre Heilche sin.
Möcht Jeds vrschreiwe ihrm Bu,
So wie e Medizin.
Sunscht, heutichs Taachs, ´s manchmol schwer,
Gschieht oft e kleens Malheur.

No hätt im Wertshaus ich gern ghuckt,
Mol im Bekanntekrees.
Hätt gern vrzählt, daß Alles lurt,
Un ghört was Jedr weeß.
Mr zehrt jo gern wann alt genung,
An dr Erinnerung.

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treffen2014

Geburtshaus des Dichters in der Schausengasse

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